Allgemeines zum Thema Vogelspinnen



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Für die unter euch, die noch wenig oder gar keine Erfahrung mit Vogelspinnen haben, habe ich hier versucht die häufigsten „Anfängerfragen" zu beantworten. Ich hoffe, dass ich dadurch einige eurer Fragen beantworten kann. Sollte ich etwas vergessen haben könnt ihr mich gerne ergänzen, weitere Fragen werden wir gerne im Forum beantworten!


1. Wo kommen Vogelspinnen vor, und wie viele Arten gibt es?

Vogelspinnen sind auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis anzutreffen. In Europa sind sie vor allem in Spanien und Portugal anzutreffen. Eine der bekanntesten, in Europa beheimateten Gattungen ist die Gattung Chaetopelma, die vor allem in Zypern beheimatet ist. Weltweit sind ca. 900 Vogelspinnenarten bekannt, allerdings ist davon nur ein Bruchteil am Markt und wird in Terrarien gehalten.


2. Wie leben Vogelspinnen?

Vogelspinnen sind nachtaktive Tiere, d.h sie werden meistens erst bei Dämmerung bzw. nachts aktiv. Zu dieser Zeit sind sie auch auf Beutefang, man kann seine Spinnen aber natürlich auch zu jeder anderen Tages oder Nachtzeit füttern. Vogelspinnen bauen keine Netze wie z.B Kreuzspinnen, sondern erlegen ihre Beute mit ihren Klauen(Chelizeren). Sie ernähren sich von Insekten und kleinen Wirbeltieren. Vogelspinnen die in Terrarien gehalten werden, können z.B mit Grillen, Heimchen, Heuschrecken, Schaben, Maden oder sogar Mäusen gefüttert werden. Diese Futtertiere kann man in der nächsten Tierhandlung kaufen, oder selber züchten.

3. Sind Vogelspinnen giftig?

Das Gift der meisten Vogelspinnen ist völlig harmlos und reicht gerade mal dazu, kleine Wirbeltiere zu töten. Bei manchen Arten ist das Gift etwas potenter, allerdings ist das „Schlimmste" was einem gesunden Menschen passieren kann, ein kurz andauernder Ausschlag, Krämpfe, Schüttelfrost sowie leichte Übelkeit. Allgemein lässt sich sagen, dass das Gift der Vogelspinnen keinesfalls in der Lage ist, das Leben eines gesunden Menschen zu gefährden. Vorsicht ist trotzdem geboten, da ein Biss mitunter sehr schmerzvoll sein kann.
Wirklich gefährlich ist der Umgang mit Vogelspinnen nur für Allergiker, diese sollten sehr vorsichtig agieren.


4. Wie groß werden Vogelspinnen?

Die größte derzeit bekannte Vogelspinne ist Theraphosa blondi, die eine Körperlänge von bis zu 10cm erreichen kann. Ein solches Exemplar kann auch eine Beinspannweite von bis zu 25cm erreichen. Allerdings gibt es auch Zwergvogelspinnen wie z.B Cyriocosmus elegans, die eine Körperlänge von nur 1,5 cm erreicht. Männchen sind meist etwas kleiner, als ihre weiblichen Artgenossen, da sie nach der Reifehäutung nicht mehr wachsen, und kurz darauf versterben.


5. Wie alt können Vogelspinnen werden?

Dazu lässt sich sagen, dass noch keine genauen Angaben zur Lebenserwartung von Vogelspinnen in freier Natur existieren. Im Terrarium können manche Arten, wie z.B Weibchen der Gattung Brachypelma bis zu 30 Jahre alt werden. Männchen werden meist nicht so alt, da sie etwa nach einem Jahr nach der Geschlechtsreife sterben. Daher ist auch bei der Anschaffung einer Vogelspinne ein Weibchen meist besser geeignet, außer man sucht ein Männchen(Bock) um sein geschlechtsreifes(adultes) Weibchen zu verpaaren.


6. Was bedeuten die komischen Ziffern vor dem Gattungs/Artnamen?

Durch diese Zahlen wird das Geschlecht der jeweiligen Spinnen angegeben.
1.0 Bedeutet, dass es sich um ein Männchen(Bock) handelt.
0.1 bedeutet, dass es sich um ein Weibchen handelt.
0.0.1 bedeutet, dass es sich um ein Tier dessen Geschlecht noch nicht bestimmt ist handelt(oft bei Jungtieren)
1.2.4 A.metallica bedeutet daher, dass ein Männchen, zwei Weibchen und 4 unbestimmte Tiere der Art Avicularia metallica angeboten werden.


7. Wie wachsen Vogelspinnen?

Vogelspinnen müssen sich, um zu wachsen, häuten.
Dies ist ein sehr heikler Prozess im Leben einer Vogelspinne. Die Tiere nehmen Wochen/Tage vorher (je nach Größe der Spinne) kein Futter mehr zu sich, und leben sehr zurückgezogen. Bei der Häutung selbst, dreht sich die Spinne auf den Rücken, und beginnt Blut (Hämolympfe) in den Hinterleib (Abdomen) zu pumpen.
Irgendwann platz die alte Haut auf, und das Tier zieht sich aus dieser heraus. Dies kann von einer Stunde bei Jungtieren bis zu mehreren Tagen bei großen Tieren dauern. Nach der Häutung ist die Spinne kaum geschützt, da sich die neue Haut erst aushärten muss. Auch die Klauen sind noch sehr weich, und die Spinne kann daher erst nach mehreren Tagen/Wochen wieder Futter zu sich nehmen. Junge Vogelspinnen häuten sich öfter (etwa alle zwei Monate), ältere oder bereits adulte Tiere nur mehr selten ( jährlich).
Bei jungen Spinnen(Spiderlingen) wird das Alter oder die Größe oft in Fresshäuten(FH) angegeben. Dabei bedeutet 4.FH, dass sich das Tier als Spiderling erst 4x gehäutet hat.


8. Wie entsteht eine neue Spinne?

Spinnen werden auch häufig in Terrarien verpaart und nachgezogen.
Dabei benötigt man ein adultes (geschlechtsreifes) Weibchen, sowie ein adultes Männchen(Bock). Nachdem der Bock sein Spermanetz gebaut hat, lässt man ihn ins Terrarium des Weibchens, und hofft auf eine Kopulation. Normalerweise sollte der Bock mit seinen Tastern trommeln, und das Weibchen darauf ebenfalls mit Trommeln antworten. Wenn man Glück hat, kommt es wenig später zur Kopulation, wobei der Bock das Weibchen stemmt, und mit seinen Bulben das Sperma in die Epigastralfurche des Weibchens entlädt. Nun trennen sich die Geschlechtspartner. Meist verläuft dieser Vorgang friedlich, es kann aber auch vorkommen, dass das Weibchen den Bock vor oder nach der Kopulation verletzt oder gar tötet. Wenn man Glück hat baut das Weibchen dann etwa 4-6 Wochen danach einen Kokon. Dieser braucht dann ca. weitere 7-8 Wochen, bis aus ihm dann die Jungen(Spiderlinge) herauskrabbeln. Die Spiderlinge häuten sich noch im Kokon mehrmals, bis sie dann als fertige Spinnen den Kokon verlassen.





                Von Michael Aistleitner